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Mit ‘Freiburg’ getaggte Beiträge

Im Erwachen wurde mir heute plötzlich ein Kindheitsmissverständnis klar. Es gab für die nicht konfessionell gebundenen Christen in der Waldorfschule Sonntags eine Art Gottesdienst, die sogenannte “Sonntagshandlung” [nicht zu verwechseln mit der anthropsophischen "Christengemeinschaft"]. Man wurde am Eingang vom Lesenden empfangen mit Handschlag und den Worten: “Du weisst, Du gehst zu der Handlung, die deine Seele erheben wird usw.usw.”.-

Ich kannte eine Eisenwarenhandlung, ich kannte natürlich Buchhandlungen, und also bezeichnete “Handlung” für mich den Ort, an dem eine bestimmte Art von Handel betrieben wurde.

Bücher in Buchhandlungen, Eisenwaren im Eisenwarenhandel. Und in der Sonntagshandlung eben irgendwas mit der Seele und dem Sonntag.

Heute morgen dann, als ich zu Casimir, der sich schnurrend an mich schmiegte, sagte: “Du weisst, Du bist eine Katze, die meine Seele erheben wird usw.usw.”, da hatte ich den lichten Moment der Erkenntnis: nix Ort, nix Handel! Das Geschehen ist gemeint, die Verrichtung! Herr[sic]jeh[sic], die Handlung!

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Am 9. November 1999 klingelte morgens um 10 Uhr der Kurier an meiner kleinen Wohnung hinten hinterm Feierling in der Gerberau in Freiburg und brachte mir 20 druckfrische Exemplare meines ersten Buchs.

Ich war stolz wie Oskar. Und glaubte, dass sich nun alles änderte. Mein Leben, die Welt, und überhaupt. War nicht ganz so. Aber was ist seitdem alles geschehen. Ich nehme dieses zehnjährige Jubiläum der greifbaren Autorschaft zum Anlass einer Grundstimmung Ausdruck zu geben: Dankbarkeit.

TW und sein erstes Buch, wie ihn die Westfalenpost 2003 sah :-)

TW und sein erstes Buch, wie ihn die Westfalenpost 2003 sah :-)

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Es gibt eine Art unnützer Nostalgie, die eine Art Leben in der Vergangenheit ist, und die dabei ein Fortleben eines vergangenen Zustands suggeriert oder autosuggestiv evoziert.

Eine solche unnütze Nostalgie habe ich heute ausgemacht und abgeschaltet indem ich mein Abonnement der Badischen Zeitung kündigte. Ich bin mit dem freiburger Monopollokalblatt gross geworden. Meine Mutter hatte die BZ abonniert und als ich daheim auszog, zeichnete ich mein eigenes Abo. Und als ich 2002 Freiburg verliess, nahm ich die BZ mit und bekomme sie bis heute, jeweils mit einem Tag Verspätung zugestellt.

Gewiss, ich kenne in jeder Ausgabe jemanden, der erwähnt wird, ehemalige Arbeitsstellen (ich habe in einem Café in der Wiehre, einem Antiquariat in der Innenstadt, dann bei Musikhaus Ruckmich/Musiksortiment Schröder und schliesslich in der Freiburger Turnerschaft von 1844 e.V. [Sportverein] gearbeitet), Schule, Uni, Kneipen in denen ich versumpfte, Restaurants in denen ich ass. Leute sterben, die ich flüchtig kannte, Bekannte auch. Firmen machen dicht, mit denen ich zu tun hatte, Bekannte aus Schulzeiten heiraten, bekommen Kinder.- Und all das verfolge ich irgendwie aus der Ferne und weiss daher, welche Probleme es mit einer Deponie bei Kappel gibt, wie der SC aufgestellt ist für die neue Saison, welcher Gemeinderat 80 geworden ist und ob mein Schulkollege Florian Braune nun von Junges Freiburg zu den Grünen wechselt oder nicht usw.usw.

Doch wofür? Ich war so froh, als ich vor sieben Jahren Freiburg verliess. Und diese Erleichterung darüber ging in eine Verklärung über. Ja, gewiss ist Freiburg wunderschön und wert darin zu leben. Doch das eine hat mit dem andern nichts zu tun.

Ich werde in den nächsten Jahren nicht nach Freiburg kommen. Ich werde nie wieder nach Freiburg ziehen. Wozu also das Fern-Abonnement der Lokalzeitung? Es ist unnützes Wissen. Futter für ein unfruchtbares Imaginärleben in einer ungelebten und unbelebten Welt (die Autosuggestion der fortgesetzten Teilhabe am freiburger Alltag) und ist somit: unnütze Nostalgie.

Auf unnützer Nostalgie bauen ganze Politikerkarrieren und Industrien auf, ich selbst lebe davon mit meinem Antiquariat und bin Teil davon. Mich von einer mich selbst betreffenden, gleichwohl kleinen Spielform der unnützen Nostalgie zu befreien, ist vielleicht ganz heilsam. Bald werd ich’s wissen.

Das hier gehört eigentlich noch dazu.

Wimbauer und Co im Schlafe

Wimbauer und Co im Schlafe

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Im Fall der Bluttat von Eislingen hat die Polizei Erkenntnisse über das Motiv erlangt: Fernstenliebe.

Die Polizei fahnde daher nun nach einer ortsfremden Frau über 1,90 m als Zeugin: “die grosse Unbekannte ist das Motiv” für die Tat, so Polizeisprecher Rudi Bauer in  der “Badischen Zeitung” (Freiburg) vom 14. April 2009.

fernstenliebe

fernstenliebe

PS 1 ich liebe präzise Meldungen. PS 2 Achtung Satire

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Bildunterschriften sind stets so zu formulieren, dass sie das auf dem Bild gezeigte benennen und mit zusätzlichen Informationen spiegeln. Hier ein Beispiel aus der “Badischen Zeitung” (Freiburg) vom 27. März 2009:

"Badische Zeitung" (Freiburg) vom 27. März 2009

"Badische Zeitung" (Freiburg) vom 27. März 2009

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Zu freiburger Zeiten hatte ich ein Gedicht von Charles Bukowski an die Türe geheftet, das hatte ich mit meiner Reiseschreibmaschine abgetippt. Das schien mir passender zu sein als eine Kopie oder ein Scan. Das Gedicht handelte vom trinkbaren Freund. Mit den Monaten bekam das Blatt Knicke vom Dranvorbeilaufen, Ranschrammen, Ranstolpern, und  Risse und irgendwann war das Blatt weg.

Auf Bukowski kam ich dann später wieder, in Hagen. Ich las seine Erinnerungen/Romane, die Tagebücher, die Briefe [die Briefe! wer Buk nie mochte: die Briefe sind toll! --> perfekter Einstieg]. Und dann wollte ich dieses eine Gedicht wieder lesen, wiederfinde, das mir in den letzten Freiburger Monaten so viel gesagt hatte.

Ich habe hier im Regal eigentlich alles gängige von Buk. Auch ein paar seltenere deutsche Ausgaben. Leider nix signiertes (kommt noch). Aber ich müsste eigentlich ziemlich komplett sein. Gelesen habe ich nicht alles, quergelesen aber schon. Wäre das Gedicht dabei gewesen, hätte ich es gewiss entdeckt.

Vielleicht war es auch dabei und ich habe es nicht mehr erkannt. Vielleicht nicht, weil es ein anderes Gedicht geworden ist, sondern weil ich die Magie nicht wiederfand. Bei dem ein und andern dachte ich: das ists. Aber ich fand dann die zwei, drei Verse nicht darin, die ich im Kopf hatte. Nicht mehr wörtlich, nurmehr als Melodie, wenn überhaupt, als Gefühl, als Stimmung, als eine Mischung von Licht und irgendwas Nichtgreifbarem.

Von 2001 kam vor ein paar Tagen der neue Taschenbuchband “439 Gedichte”. Ich hatte zu spät gemerkt, dass ich die Texte eigentlich schon alle habe, schliesslich gab’s ja auch mal den ähnlich bezifferten Leinenband von auch 2001 (?). Egal, jetzt liegt er hier auf meinem Schreibtisch und immer wieder zwischendurch greife ich danach und schlage ihn irgendwo auf.

Die Verse von meiner freiburger Türe finde ich wohl nicht mehr wieder. Zu fremd ist mir diese Zeit geworden, zu weit weg, die Magie der Verse und bestimmter Momente ist als Gefühl nicht mehr greifbar. Im Rückblick verfärbt sich all das wie ein Polaroid, das zu lang an einer Pinnwand hing.

—- update 27.iii.09

Ich holte den Leinenband der “439 Gedichte” aus dem Regal und sah, dass er gänzlich identisch ist mit der eben erworbenen Taschenbuchausgabe. Egal.

Meine Leinenausgabe erwarb ich gebraucht bei eBay. Vorn ist eine Widmung an den Vorbesitzer drin: “In der Hoffnung, dass du mir noch an vielen Abenden hieraus vorlesen wirst! von Birgit am 22.2.2003″. Ich bekam das Buch im März 2006. Hat also nicht so lang’ gehalten, das mit dem Vorbesitzer und dieser Birgit. Sie hätten sich vielleicht erstmal anderes vorlesen sollen.

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Mit diesem Jünger-Portrait von Horst Janssen fing bei mir “alles” an:

Jünger Portrait von Horst Janssen, Photo (c) T.Wimbauer

Jünger Portrait von Horst Janssen, Photo (c) T.Wimbauer

“Ich war 15 oder 16 Jahre alt, als ich mich in der Freiburger Buchhandlung zum Wetzstein, die ich regelmäßig wegen ihres exquisiten Sortiments aufsuchte, nach „neuen“ signierten Ausgaben umsah. Ich sammelte damals schon Autographen. Dort war das Portrait ausgestellt, das Horst Janssen 1990 von Jünger gemalt hatte. Janssen war mir ein Begriff, aber von Jünger hatte ich noch nie etwas gehört. An der Schule war Jünger nicht vorgekommen. Das Bild faszinierte mich, die Ausstrahlung, diese Augen! Ich musste das Bild einfach haben. Nun war es eine kleine, numerierte und von Jünger und Janssen signierte Auflage und somit nicht gerade billig. Vierhundert Mark sind für einen Schüler doch eine ganz schöne Summe. Also suchte ich mir einen Ferienjob, nachdem ich mir das Bild zurücklegen lassen hatte, sortierte Leergut bei Coca-Cola und tauschte hernach das erarbeitete Geld gegen das Jünger-Portrait ein. Dann dachte ich mir, eigentlich solltest Du von dem Kerl mal ‘was lesen. Das erstbeste Buch, auf das ich in einem Antiquariat stiess, war das „Abenteuerliche Herz“ in der zweiten Fassung. Ich las das erste Stück, „Die Tigerlilie“, und war weg. Ich klappte das Buch zu, mußte tief durchatmen und las es dann in einem Rutsch durch. Anderntags grad noch einmal. Die Lektüre wirkte wie eine Droge: ich hatte „meinen“ Autor gefunden”. (nach einem Interview mit der Zeitschrift Zinnober, 2003)

In vielen Angeboten heisst es, dass Janssens Unterschrift ein Monogramm sei. Das stimmt nicht. Die beiden “Mittelstriche” sind Fraktur-S, also nicht HJ sondern Janssen.

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Verschwommen

Auf der Suche nach ein/zwei Daten in alten Tagebüchern festgelesen, die Bände 1998 bis 2001 quergeblättert. Das Gesuchte nicht gefunden, viel aber wiedererkannt und mit einem Frösteln fremd gefunden. Diese merkwürdigen freiburger Zustände, die vielen Fragezeichen, das Blindtasten, die Unruhe. So sehr mein Herz an Freiburg hing, so froh war ich, als ich die Kisten packte und mit einem gemieteten klapperigen LKW mit all den Büchern und Habseln aufbrach.

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