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Stolpersteine

Vor gut einem Jahr war ich an einem sonnigen Apriltag in Alsfeld in Hessen. Die Zeit zwischen Hotelfrühstück und Beginn des Festivals, zu dem ich angereist war, nutzte ich für einen Gang durch die Stadt. Ich trank einen Kaffee und freute mich an der schönen Altstadt. Dann sah ich hier einen goldfarbenen Stein im Pflaster, dort einen und da den nächsten. Einer neben dem andern. Auf jedem der Name eines Deportierten und Ermordeten, der in dem Haus bei dem Stolperstein gelebt hatte. Und dabei wurde mir so greifbar bewusst, wie allgegenwärtig der Schrecken war und wie grosszügig das im Alltag verdrängt ist.

Dieses Bewusstsein kam schlagartig. Wie das sonst kein abstraktes Denkmal geschafft hätte. Das war kein Guido-Knopp-Schwarzweiss-Film, keine sepiagefärbte Dokumentation. Die Fachwerkhäuser sahen 1933 ff. ganz genau so aus wie heute, das Strassenpflaster sah 1933 ff. ganz genau so aus wie heute. Und der Himmel wird so blau gewesen sein und die Sonne so grell. Die Menschen waren anders gekleidet, aber die meisten waren genau so mit ihrem Alltag beschäftigt wie jene, die an diesem sonnigen Aprilvormittag an mir vorbeigegangen sind. Denkt „man“ an das Dritte Reich, so fühlt sich das so fern an, die Vernichtungslager sind irgendwo weit weg gewesen, die Bilder im Kopf sind in Schwarzweiss.

Die konkrete Anschauung holte das zurück. In diesem Haus hier hat eine Familie gelebt, die man rauszerrte und tötete, zwei Häuser weiter die nächste Familie, drei Häuser weiter vielleicht ein Alleinstehender. Mittendrin. Ich stand vor den Häusern, und wenn Menschen rauskamen, dachte ich: der nicht, der nicht, der ja, der nicht, der ja, und der auch ja. Wenn heute damals wäre. Ausgesehen hat alles ganz genau so. Und für alle Dernichts war es Alltag, damals wie heute.

Ich habe durch die Stolpersteine in Alsfeld mehr von der Gegenwart der Vernichtung und der kolossalen Verdrängung verstanden als durch das abstrakte Wissen, das ich durch Schule, Lektüren und Filme erworben hatte.

PS In München will man die Stolpersteine verbieten. Eine privat organisiertes und privat finanziertes Gedenken, wie es die Stolpersteine sind, ist der Politik unangenehm. Hier unterschreibt man für die Aufhebung des Verbots:

http://www.change.org/p/aufhebung-des-verbots-von-stolpersteinen-in-m%C3%BCnchen-stolpersteine-m%C3%BCnchen

Wikipedia Artikel Stolpersteine

Wikipedia-Photo eines Stolpersteines von Axel Mauruszat

Die kleine feine böse Erzählung “Lagebericht” entstand 2000/2001 in Freiburg. Das 2009 im Telesmaverlag erschienene Buch ist inzwischen vergriffen. Die Zeitschrift weltexpress.info rezensierte bei Erscheinen der popliterarischen Auslotung von Wahnsinn und Exzess:

“Ein Stück Gegenwartsliteratur im besten Sinne des Wortes (…) Balanceakt über vermintem Terrain (….) Das abwechslungsreiche Debüt eines undogmatisch zu Werke gehenden Autors”

Als Kindle-eBook jetzt für nur 2,99 EUR

Restexemplare der nicht mehr im Neubuchhandel lieferbaren gedruckten 1. Auflage gibt es hier für EUR 8,99

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Label

The First Church of the Mighty Omma Records ist der musikalische “Arm” von Wimbauer Buchversand, hier werden die Platten meiner Band Widum erscheinen.

Homepage ist noch in Arbeit, Facebook gibts aber schon hier:

https://www.facebook.com/thefirstchurchofthemightyommarecords

AflredPerspektive111

Eben wieder eine Diskussion mit einer Auktionatorin gehabt, die mir partout nicht glauben wollte, dass das, was sie als Monogramm “HJ” von Horst Janssen hielt, der volle Nachname und eben kein Monogramm ist, und weil ich eben diese Diskussion häufiger habe, ich das dann jedesmal neu aufdröseln muss, hier also nochmal zusammengefasst. Das, was ständig – voneinander abschreibend – als Monogramm bezeichnet wird, ist keens.

Das vermeintliche H ist ein “Jans” wobei das “s” ein Sütterlin/Kurrent-Binnen-s ist und das “an” ziemlich verschliffen, und das vermeintliche “J” ist das “sen”. Ich hab das hier mal mit Pfeilen als Entwicklung aufgemalt:

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Auf älteren Unterschriften Janssens sieht man die Ausgangslage noch ziemlich gut (Beispiele aus Joachim Fests grossartigem Buch über HJ):

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Zugegebenermassen sieht die später Unterschrift durchaus monogrammig aus, aber wenn man die Genese vom Gewese kennt, ists deutlich. Und bei wem ist die Unterschrift nicht im Laufe der Jahre verschliffen? Mein “Wimbauer” sieht inzwischen auch aus wie ein “Wan” oder eine “Waua”

Dank eines Outlook-Crashs Mitte November habe ich alle archivierten eMails 1996-2014 verloren. Sollte ich eMails von vor dem 15. November 2014 nicht beantwortet haben, bitte nochmal schicken. Ich habe auch kein Adressbuch mehr ausser meiner Kundenkartei.

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Druckfrisch!

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Marcus Stiglegger : Verdichtungen

Zur Ikonologie und Mythologie populärer Kultur

Mythos|Moderne. Kulturkritische Schriften

Herausgegeben von Marcus Stiglegger

Band 1

Mit einem Vorwort von Tobias Wimbauer

Hagen-Berchum : Eisenhut Verlag, 2014,  170 Seiten, Broschur, EUR 12,90, ISBN 978-3-942090-34-6

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