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Posts Tagged ‘Sortiersysteme’

Früher war die meistgestellte Frage von unliterarischen Besuchern angesichts der Regale und Sammlungen: „Hast du die alle gelesen?“ Nun, da ein Antiquariat im Hause ist, erübrigt sich diese Frage angesichts der in Lebenszeit nicht lesend zu bewältigenden Büchermenge.

Die naheliegende Frage, die ich nun häufig höre, ist: „wie findest du die Bücher wieder, wie behältst du den Überblick?“.

Eigentlich ganz einfach: Mit System.

In jedem meiner Angebote steht eine Regalfachnummer (am Ende der Buchbeschreibung). Mit dieser Nummer finde ich jedes Buch im Handumdrehen.

Da steht beispielsweise „F301“.

Jeder Raum bzw. jede Regalreihe hat eine eigene Regalnummer oder Buchstabenkombination. Jedes Regal wird von oben links nach unten rechts bestückt, wie Zeilen in einem Buch. Jedes Regalfach ist zweireihig bestückt, gerade Zahl hinten, ungerade Zahl vorne.

Beispielsphoto Wimbauer Buchversand 1

Beispielsphoto Wimbauer Buchversand 1

Bei F303 wäre im hinteren Flur (F) die Dreihunderterregalreihe, das ist die linke Wand (rechts stehen die 400er-Regale), F301 ist ganz oben links in der vorderen Reihe (hinten 300, vorne 301). F303 ist die vordere Reieh des Fachs rechts neben F300/301.

Und da in jedem Regalfach jeder Titel nur einmal steht, und meist auch jeder Autor nur einmal vertreten ist pro Fach (auf dem Beispielsphoto sind mehrere Brechts, ich weiss, das ist eine Ausnahme) ist also ein bestelltes Buch mit einem Blick auf die Bestellung lokalisiert und dann mit ein/zwei Handgriffen gefunden.

Ich habe in manchen Räumen noch ein konkurrierendes Sortiersystem (insgesamt umfasst mein Antiquariat 10 Räume, 8 mit Büchern in Regalen und 2 mit Neuankäufen/Nachschublager vorsortiert in Kisten):

Dort hat die Regalreihe einen Buchstaben (A bis M bzw. KPR/OPR, hhl/xhl usw. je nach Standort) und die Bücher sind numerisch aufgestellt von A0001 bis theoretisch A9999, B0001 bis B9999 im nächsten Regal usw. Zwischen jedem zehnten Buch ist ein Zwischenleger mit Nummer, sodass ich mit einem Blick sehe, wo das gesuchte Buch steht:

Beispielsphoto Wimbauer Buchversand 2

Beispielsphoto Wimbauer Buchversand 2

Das hat den Nachteil, dass man beim Auffüllen ziemlich viel Aufrutschen muss. Deswegen habe ich da mitunter mehrere Buchstaben in einem Regal, damit ich nur ein paar Fächer aufrücken muss, zum Beispiel hier:

Beispielsphoto Wimbauer Buchversand 3

Beispielsphoto Wimbauer Buchversand 3

Hier sehen wir die Reihen MPR, KPR und OPR.

Es gibt bei jedem System 3 goldene Regeln:

(1) egal, nach welchem System ich aufstelle, ich muss immer immer immer konsequent sein. (Wenn ich ein Buch erst mal aus Platzgründen vorübergehend anderswohin stellen möchte, aber nicht die Regalfachnummer sofort ändere im Katalog, und das Buch vielleicht erst in einem oder fünf Jahr(en) verkaufe, dann weiss ich das gewiss nicht mehr, also immer sofort ändern wenn nötig)

(2) Alle Sortiersysteme müssen durch Beschriftung eindeutig sein und einer gewissen Logik folgen. Willkürliche Spontanabkürzungen à la HDSADGBS [Hinter dem Schreibtisch auf dem grossen Bücher-Stapel] merkt man sich nicht. F300.. und A, B, C, merkt man sich nicht nur einfacher, sondern man sieht bei einem Gang durch die Räume auch anhand der Beschriftungen sofort, wo die A- oder M-Bücher stehen und wo die F300er. Das ist nicht nur für das eigene Gedächtnis wichtig, sondern auch für den Fall, dass man selbst einmal ausfällt, vorübergehend oder für immer, dann muss sich ggf. jemand anders da reinfuchsen. Und selbst wenn man es selbst macht, Eindeutigkeit ist immer besser, da einfacher.

(3) Immer dabei sein, wenn jemand Bücher rausnimmt und wieder reinstellt. Die Regalfachtrefferquote beim Wiederreinstellen ist oft karg. Und jedes verstellte Buch ist wie ein verlorenes Buch. Das gilt zumindest hier im Haus mit 75.000 Büchern, da hülfe nur Zufall.

Beispielsphoto Wimbauer Buchversand 4

Beispielsphoto Wimbauer Buchversand 4

Als PS 1: dies von mir verwendeten Sortiersysteme funktionieren nur für Versandantiquariate mit allenfalls sporadischem Publikumsverkehr. Ein Ladenantiquariat mit stöberwilligen Bibliophilen könnten solch eine auf reine Raschwiederfindbarkeit ausgelegte Sortierung natürlich nicht vornehmen, da geht es wohl nur thematisch/alphabetisch. [Alphabetisch fing ich an als ich nur 1000-2000 Titel im Antiquariat hatte, aber rasch hat man von häufigeren Titeln mehrere Exemplare da und muss dann bei jeder Bestellung die Einzelbände durchgucken, das kann zu Fehllieferungen führen, und das ist immer unangenehm]

Beispielsphoto Wimbauer Buchversand 5

Beispielsphoto Wimbauer Buchversand 5

Als PS 2: mich würde interessieren, welche anderen Sortiersysteme es noch gibt. Vielleicht wollen mitlesende Kollegen Auskunft geben?

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