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PS zu Hamburg: Die komische Situation, wenn man die Polizeiaction zum Beispiel gegen Journalisten schlimm findet, und die Zerstörungswut auf den Strassen genauso. Ich las mit wachsendem Widerwillen viele Kommentare in den letzten Tagen, die danach klangen, als sei die Kritik an dem einen ein Befürworten des anderen – – – wenn man Gewalt generell als Mittel des gesellschaftlichen Dialoges ablehnt, steht man plötzlich alleine und als Phantast da. Geschenkt. Perfider ist freilich noch, dass sich so viele unangenehm Gestrige jetzt den Arsch wegfreuen, weil sie unreflektierterweise glauben, dass Gewalt von anzunehmend Unpolitischen eine Delegitimation linker Sozialkritik sein könne. Anstatt das Offenkundige zu sehen: dass Krawalle von Krawalleros nichts mit linker Systemkritik inhaltlich gemein haben, und dass der Rechtsstaat aber vorsieht, dass Angemessenheit der Staatsgewalt (hier wörtlich) auch gegenüber demjenigen selbstverständlich ist, der unangemessen handelt.

Zur Ursachenforschung – „Woher kommt die Gewalt“ – braucht man auch keine linke Theorie, sondern es reicht zu wissen, dass Menschen in Gruppen einfach so sind: Wenn man sanktionslos Gewalt anwenden kann, dann macht der Durchschnittsmensch das. Gibts jede Menge soziologische Studien dazu. Gefangenenexperiment, Broken Window etc.pp.

(Wer das zu theoretisch findet, hier _eine_ praktische Übersetzung: Dein Papa/guter Freund/Nachbar kommt zu Dir mit nem Vorschlaghammer und sagt, dass er sein Auto verschrotten muss, ob Du Lust hättest, da mal draufzuhauen, Du sagst: jo, grinst und nimmst den Vorschlaghammer, kletterst auf das Auto und haust in die Scheibe, oder die Spiegel ab, oder die Scheinwerfer. Und weil Dich der Nachbar aufgefordert hatte und das seins ist, ist das Ganze sanktionslos, also ohne soziale Ächtung oder gar Strafe (Geldbusse, Haft, Sozialstunden). ja, wenn Du das besonders spritzig gemacht hast, erntest Du sogar Anerkennung des Nachbarn.- Transponiert wieder in die „Strassensituation“: in einer Gruppe fühlt X sich anonym und sein Agieren wird von den anderen Gruppenmitgliedern positiv bemerkt, je grösser die Gruppe, desto grösser die Wahrscheinlichkeit einer sanktionslosen Folgenlosigkeit im strafrechtlichen Sinne: kloppen tausend Leute auf etwas ein, ist die individuelle Tatzuordnung nicht mehr möglich und das Risiko der konkreten Bestrafung minimiert. Macht ein Einzelner alleine was kaputt, ist es umgekehrt …)

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