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Archive for 5. Februar 2012

Nachdem das alternative Kulturzentrum Pelmke in Hagen mich jüngst u.a. mit Zitaten aus der Wikipedia von einer verabredeten Lesung wieder ausgeladen hat [mehr dazu hier im offenen Brief von Jan Eckhoff an die Pelmke] , und ein anderer Veranstalter anderswo auch, wäre es vielleicht an der Zeit, darum zu bitten, in dem Wikipedia-Artikel über mich ein-zwei zentrale tendenziöse Formulierungen neutraler zu gestalten. Hier sind doch genug Wiki-Admins unterwegs, um korrekte Formulierungen zu fixen, ohne dass wieder die immer gleichen zwei anonymen Wikipedianer alles rückgängig machen. Ich finde es nicht richtig, dass zwei anonyme Leute es mit ihrer Meinung in der Hand haben, wo ich vorlesen kann und wo nicht …

Es geht mir nicht um einen Persilschein, sondern um neutrale Formulierungen, wie sie einer Enzyklopädie angemessen sind. Vor allem die Formulierung

„In einem 2009 im Eigenverlag publizierten Buch distanzierte er sich von seiner neurechten Vergangenheit“

ist unglücklich und falsch. Vorher hiess es, nicht minder unglücklich:

„Laut einem im Eigenverlag 2009 publizierten Buch, wo Wimbauer Interviews mit sich selbst veröffentlichte, distanzierte er sich ausdrücklich von seiner neurechten Vergangenheit.“

Ich würde folgende Formulierung neutral und richtig finden:

„2009 distanzierte er sich ausdrücklich von seiner neurechten Vergangenheit.“

Der Reihe nach:

(1) „einem 2009 im Eigenverlag publizierten Buch“ ist von der Datierung falsch, weil das im Juni 2009 erschienene Interview im Blog „Das Gespräch“ erschien. Der Wiederabdruck im Buch „Ausweitung der Bücherhöhle“ erfolgte 2010.

(2) der hier als „Eigenverlag“ titulierte  „Eisenhut Verlag“ ist kein Eigenverlag. Der Verlag gehört meiner Frau Silvia Stolz-Wimbauer, ich lektoriere und bin Arbeitsbienchen, aber nach der gängigen und der Wikipediadefinition ist ein Eigenverlag ein solcher, in dem ein Autor ausschliesslich seine eigenen Werke publiziert. Selbst wenn man nun als Formalkram abtun würde, dass der Verlag Silvia und nicht mir gehört, unser Tun im Verlag also in einer Sippenhaftverschmelzung eins würde, so wäre es immer noch kein Eigenverlag, weil meine eigenen Bücher nur den geringsten Teil der Verlagsproduktion ausmachen. Von mir erschienen als eigene Bücher 1. „Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers“, 2. „Ausweitung der Bücherhöhle“, 3. „Ernst Jünger in Paris“ und in diesem Jahr „Hundert Dinge“ (zusammen mit Mirko Kussin) und das Kochbuch. Dazu von mir bearbeitet und herausgegeben die beiden Helmstagebücher und „Anarch im Widerspruch“. Meine eigenen Bücher sind nicht einmal ein Viertel der gesamten Veröffentlichungen des Verlages (die andern Bücher sind von: Heike Engel, Pelle Felsch, Petra Gust-Kazakos, Timo Kölling , Gregor Meder, Gustav Meyrink,  Thomas Palzer, Jörg Sader, Mario Scheuermann, Sascha Sprunk, Eric W. Steinhaue, Rolf Stürmer, Martin Thoemmes  und Konrad Weiß. Weitere Bücher weiterer Autoren sind in Vorbereitung und vertraglich geregelt).

Es handelt sich also weder formal noch im übertragenen Sinne um einen Eigenverlag, und die Formulierung „im Eigenverlag“ soll eine gewisse Unglaubwürdigkeit unterschwellig oder direkt transportieren. Zudem fand die öffentliche Distanzierung von der Rechten in einem Blog in einem Interview und eben nicht in einem Buch statt. Es wird also das zeitlich späterer zur Unglaubwürdigkeitsverstärkung des zeitlich Früheren eingesetzt.

(3) Es wurde angemerkt, dass eine Distanzierung von der Rechten in einem Interview mit einem Blog, der zur Rechten gehöre, nicht glaubwürdig sei. Dazu will ich ein paar Dinge bemerken.

(3.1) Ich hatte damals einige Zeit gedacht, dass eine Distanzierung unnötig sei, weil ja jeder, der mit mir zu tun hat, oder der meine Sachen liest, oder auf Twitter folgt, weiss, dass ich kein Rechter mehr bin und ich damit nichts mehr am Hut habe. Gesprächsweise und auch sonstwie liess ich daran auch keinen Zweifel. Nachdem ein von mir nicht genehmigter bzw. autorisierierter Nachdruck eines alten Textes von mir in einem Sammelband der „Jungen Freiheit“ („Helden der Nation. Beiträge und Interviews zum 20. Juli 1944“) erschienen war,  nachdem ich einige Jahre schon nicht mehr in der JF publiziert hatte, und von dem ich erst erfuhr, als ich die Belegexemplare übersandt bekam, war mir aber klar, dass es offensichtlich nicht dort angekommen war, dass ich die „Szene“ verlassen habe, und also musste ich den Cut öffentlich machen.

(3.2) Da bot es sich an, das nächste Interview dafür zu nutzen, zumal es genau jene Leser haben würde, die ich ansprechen wollte. Der Hinweis, dass eine Distanzierung von Rechts in einem rechten Magazin unsinnig sei, geht nach hinten los, denn wo, wenn nicht dort, ist es am wirksamsten? In einem linken Magazin hätte das niemand in der Rechten wahrgenommen, aber in einem Interviewblog von JF-Mitarbeitern konnte ich damit rechnen, dass die Rechte es liest und somit klar weiss, dass ich „raus“ bin und nicht mehr dazu gehöre. Es ging darum, dass diejenigen, die es angeht, es mitbekommen.

(3.3) Die im Interview genannten Gründe für das Reinschlittern in die Rechte und das Wiederrausschlittern waren natürlich nicht alle Beweggründe, aber es waren m.E. erstmal jene, die die Leser, die vielleicht in der gleichen Situation sind, zum Nachdenken zu bringen. Und in der Tat habe ich reichlich Post von ehemaligen Rechten bekommen, die es erleichtert begrüssten, dass jemand das mal so ausspricht.

(3.4) Über weitere Gründe und wie sich dieser Ablösungsprozess abspielte, habe ich vor ein paar Tagen ausführlich in einem Interview mit der Website 30years geschildert, das demnächst erscheint.

(3.5) im Interview mit dem Feuilletonfeuilleton „Der Umblätterer“ hatte ich auch nochmal klargestellt „dass ich heute kein Rechter mehr bin“. Und den grimmepreisnominierten Umblätterern kann man tendenziöse Absichten nun wahrlich nicht unterstellen.

(4.) Noch einmal zu dem JF-Buch, in dem von mir unautorisiert und ohne mein Wissen ein Artikel nachgedruckt wurde. Zum Vergleich, wie ich selbst mit Nachdrucken umgehe: als 2010 der von mir herausgegebene Sammelband „Anarch im Widerspruch“ neu erschien (zuerst 2004 in der Edition Antaios), strich ich alle politisch motivierten Artikel und verwies darauf auch im Vorwort. Alle Autoren mit NS-Nähe flogen hochkant und für jedermann sichtbar aus meinem Buch.

(5.) Irgendwie geht die Argumentation doch auch nach hinten los, wenn die Leute, die immer lauthals Aktionen gegen Rechts machen, dann von einem nichts wissen wollen, der sich aus der Rechten verabschiedet hat. Das ist für andere, die sich lösen möchten, nicht eben einladend.

***

Ich möchte den Wikipedia-Artikel nicht selbst ändern, obwohl das viele in den Artikeln über sich gern machen, deswegen hier meine Bitte: formuliert das doch ein bisschen neutraler. Der Platz für Meinungen ist die Diskussionsseite, nicht der Artikel selbst. Finde ich.

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