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Archive for 10. Februar 2009

Am Freitagabend war ich kurz mal Leichenträger zwischen zwei Gängen im Schloss. Der Bart des Verschiedenen war nicht echt. Der Abend war amüsant und das Essen ganz ordentlich. So ein Abend steht und fällt mit den Tischnachbarn. Unser Tisch war angenehm.

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Siebtes Kapitel aus dem Roman “Milchferkelhalterabend” (begonnen 2003, abgebrochen im selben Jahr):

„Hinter allem was ich glaubte, lauerte die Welt…“

„Claire, kann ich dich heute abend sehen?“
„Robert, bist du das?“
„Ja, ich bin’s.“
„Um acht. Wo?“
„Was hältst du von Bateau ivre?“
„Gern.“
„Bis dann.“
„Ja, bis dann. Ich freu‘ mich.“
„Ich mich auch. Tschüs Robert.“
„Tschüs Claire.“
Robert legte auf. Er ging in die Kaffeeküche, wo, wie stets, Urs Meyer von Knonau saß.
„Robert …“
„Ja.“
„…wenn irgend jemand für mich anruft, ich bin nicht da.“
„Warum?“
„Naja, ich habe die PlanBau dichtgemacht.“
„Okay, wie geht’s weiter?“
„Na, ich mach‘ halt die BauPlan auf.“
„Also verleugnen.“
„Das wär‘ famos.“
„Geht klar.“
Urs Meyer von Knonau hatte eine Art Spieltrieb in Sachen Firmen entwickelt. Das heißt, daß seine Firmen immer innerhalb von ein, zwei Jahren als pleite gemeldet und abgewickelt wurden. Das Firmenmodell war immer so gestrickt, daß er selbst nicht persönlich haftbar war für den entstehenden Schaden. Nach anderthalb Wochen Schonfrist, wie er es nannte, machte er unter der gleichen Adresse ein neues Architekturbüro auf, das mit der selben personellen Besetzung und Struktur auftrat. Nur der Name hatte sich geändert. Urs Meyer von Knonau kaufte der alten Firma zu dumping–günstigem Preis die Austattung, Computer und dergleichen ab und übernahm die von der alten Firma begonnenen Aufträge. Meistens. Manchmal überließ er sie auch – gegen entsprechende Gebühr, die inoffiziell gezahlt wurde, also nicht der Konkursmasse zugeordnet werden konnte – den Lieks, die wiederum neue Aufträge an ihn abgaben. Dieses Spielchen trieb er schon seit einigen Jahren. Die alte Firma mußte dann stets am Telephon verleugnet werden („Tut mir leid, die PlanBau gibt es leider nicht mehr, wir haben aber das Projekt soundso übernommen, was können wir für Sie tun?“ und schon war die PlanBau vergessen und die BauPlan trat auf den Plan oder eine andere Firma, deren Geschäftsführer und Inhaber ganz zufälligerweise ein gewisser Urs Meyer von Knonau war.)

Es war also mal wieder so weit, Knöni wollte sich verleugnet wissen bis die Einlullfrist verstrichen war. Kein Problem, darin hatten sie ja alle Übung.
Knöni war aufgeräumter Stimmung und guter Dinge, als alter Pleitenhase focht ihn derlei nicht mehr an, ganz abgesehen davon, daß das nun wirklich keine Katastrophe war, da Inszenierung, und alles in den wohlgeplanten Geschäftsablauf gehörte. Das sollten freilich die Behörden, insbesondere die vom Finanzamt, nicht wissen; sie ahnten es natürlich – alle zwei Jahre Konkursgehen, das passiert ja nicht jedem mit so steter Regelmäßigkeit –, aber zu beweisen war da nie etwas. Manchmal war Knöni auch Arbeitslos gemeldet. Als er einmal eine ABM-Stellung für sich ausgerechnet in einer Firma namens BauPlanung (das war der Vorvorgänger der PlanBau gewesen, die ausnahmsweise nicht auf ihn sondern auf seine Assistentin lief) beantragte, hatten sie ihm beim Arbeitsamt nur einen Vogel gezeigt und er war unter grinsenden Flüchen aus dem Amt gegangen. Probieren kann man’s ja mal.

Es klingelte, ein aufgebrachter Handwerker, der Elektriker Eschen, stürmte das Büro und ohne zu fragen, betrat er Lieks Büro. Dort drin machte er Frau Liek eine Szene, er habe mit seinem Bruder Sonderschichten gemacht, Zusatzkosten gehabt und nun habe sie ihm auch noch den Rechtsanwalt auf den Hals gehetzt, wo sie doch nicht einmal die letzten drei Aufträge davor bezahlt habe. Als er seine Anklage fertig hatte, begann ein unglaubliches Gekeife von Frau Liek, sie holte Schimpfworte aus den alleruntersten Schubladen und es fehlte wohl nicht viel und sie wäre mit ihren spitzen Fingernägeln auf Eschen losgegangen. Schließlich wollte sie einen triumphalen Endpunkt setzen und schrie: „Ich zeig‘ Sie an wegen sexueller Belästigung und versuchter Vergewaltigung!“ Darauf antwortete Eschen erstaunlich ruhig: „Schau‘n se sich doch mal im Spiegel an, das glaubt dir doch keine Sau.“ – Wandte sich um und stolzierte hinaus. Über diese Replik mußte Robert ziemlich schmunzeln. Aber da nach diesem Auftritt die Stimmung im Büro nun endgültig im Keller gelandet zu sein schien, wollte Robert sich trollen und eine vorgezogene Mittagspause machen. Aber so leicht war kein Entkommen, denn die schnaubende Frau Liek kam auf ihn zu, wobei sie sich von Schritt zu Schritt beruhigte. Ja, lachte gar endlich und sagte zu Robert: „So’n Arsch. Kommen Sie, wir trinken einen Sekt.“ Robert wehrte sich nicht groß, und in der Küche nahmen sie einen Umtrunk ein, bei dem Knöni natürlich auch nicht ausgeschlossen war. Sie feierten seine Pleite und die anvisierte BauPlan–Gründung und überlegten dabei, woher sie einen neuen, guten wie günstigen Elektriker bekommen sollten, denn dem Eschen wollten sie nun keine Aufträge mehr geben.
Am Abend ging Robert ins Bateau ivre, er war, wie immer, einige Zeit zu früh, hatte aber, ebenfalls wie immer, ein Buch aus der Jackentasche gezogen und las.
Claire kam pünktlich, ja sogar zwei Minuten vor der verabredeten Zeit. Das gefiel Robert. Auch sah sie hinreißend aus. Sie hatte einen crèmefarbenen Rollkragenpullover an, einen ganz dünnen, denn es war zwar schon kühler geworden, aber der Herbst war noch nicht ganz ausgebrochen, sondern schlich sich erst langsam an. Dazu eine sogenannte Marlenehose, mit breiten Beinen. Sie gab Robert einen Kuß auf die Wange zur Begrüßung.

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