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Jürgen Dollase hat uns in den letzten Wochen nur sparsam mit Texturen und Akkorden versorgt. Morgen jedoch gibt’s wieder Zählbares. Dollase is(s)t bei Jean-Paul Jeunet im Jura.- Die Texturen sind wie folgt:

  1. „(…) eine souverän angelegte Spargeldegustation mit einer ganzen Palette von Aromen und Texturen (…)“
  2. „(…) Aromen, die dann mit einer modernen Texturregie ungeahnte Eleganz bekommen.“
  3. „“en nuances de texture et saveur“
  4. „(…) weil etwa die krossen Kartoffelfäden schnell Feuchtigkeit aufnehmen und es mit den Texturen allgemein nicht so weit her ist (…)

Text: F.A.Z., 26.09.2009, Nr. 224 / Seite 34

Kombinationen

Aus den Bestellungen von heute Abend liesse sich trefflich eine Geschichte kreieren. Je nachdem, wie man die Titel anordnete, änderte sich der Verlauf…

(1)

Büchergeschichte 1

Büchergeschichte 1

(2)

Büchergeschichte 2

Büchergeschichte 2

(3)

Büchergeschichte 3

Büchergeschichte 3

Ich las heute hier und dort, wie schlimm es sei, dass auf Twitter Wahlprognosen schon vor 18 Uhr am Wahltag ruchbar wurden. Dies gefährde die Demokratie und sei ganz entsetzlich. Es könne die Demokratie gefährden, weil Wahlentscheidungen beenflusst werden könnten.

Das ist eine ulkige Argumentation, denn es ist vollkommen demokratisch wenn jemand anders wählt als er vielleicht am Vortag geplant hatte. Es ist nämlich ganz egal, wie der Wähler seine Wahl begründet. Ob er mit Enemenemiste die Kandidaten abzählt, ob er sie auspendelt, ob nach der Krawattenfarbe, ob nach der Quersumme des Geburtsdatums des Kandidaten usw.usw. – oder einfach nach der Wahrscheinlichkeit des Wahlsiegs, damit am Abend, wenn die Ergebnisse bekanntgegeben werden, das Belohnungszentrum im Hirn ein paar glücksbringende Stoffe ausschüttet, wenn man sieht, dass man selbst irgendwie zu den Siegern gehört, weil man sie ja mitgewählt hat.

Im Idealfall hat der Wähler alle Argumente sorgfältig abgewogen und wählt aus Taktik oder Überzeugung die Partei oder die Kandidaten, die er für richtig hält. Das ist aber nicht demokratischer oder undemokratischer als eine Bauchentscheidung oder eine Zufallsentscheidung, weil man den TV-Wahlwerbespot von X so lustig fand.

Wäre das alles so demokratiegefährdend, müsste der Wahlkampf abgeschafft werden und durch das blosse Veröffentlichen rechtsverbindlicher Regierungsprogramme ersetzt werden. Na denn.

Vorsatz von Ricarda Huch, Seifenblasen, 1905

Vorsatz von Ricarda Huch, Seifenblasen, 1905

Nomi

Ich wurde eben gefragt, warum ich den Klaus Nomi-Film auf Arte mit so grossem Vergnügen sehe.- Die Antwort ist einfach. Zum einen gefällt mir das, weil z.B. „Total Eclipse“, „Simple Man“ oder „Lightning Strikes“ und der „Cold Song“ Hammerstücke sind, aber zum andern war das meine erste Begegnung mit Subkulturellem.- Die Schallplatte „Encore“ von Nomi war das erste, das ich in die Hände bekam, das nicht SWF-Radio oder Klassikschallplatten vom Plattenspieler meines Vaters war. Die Bilder auf Cover und Innersleeve zeigten mir, dass es andere Formen der Selbstgestaltung und ~inszenierung gibt als mir bis dahin in dem südbadischen Kaff in dem ich aufwuchs bekannt geworden war.- Das war anders als all das Gekannte.- Nicht dass ich dazu tendierte, so wie Nomi zu werden, aber ich entdeckte, dass es ausserhalb des Dorfes ganz anderes gibt, das Kunstform ist, aber zugleich ganz echt. #Nostalgie

NN

Vorsatzpapier von Timm Kröger, Neun Novellen, 1917

Auf meinem Twitternebenaccount @wortstory bringe ich Satz für Satz eine entstehende Erzählung mit dem Arbeitstitel „Der Schnee der Berg und ich“. In den letzten Tagen kam ich nicht zum Weiterschreiben und auch scheint es mir doch für Neufollower etwas mühsam zu sein, die Story rückwärts zu lesen. Deswegen stelle ich hier nun das bisherige ein und reiche jeweils das weitere nach.

(c) für alles 2009 by Tobias Wimbauer:

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Tobias Wimbauer

Der Berg der Schnee und ich

„Haaallo…“

„Hallooo..?“

„Hallllo..!“

Dreimal hatte er den Ruf quer über den Innenhof gehört. Er lunzte durch’s Fenster und sah sie zum ersten Mal.

Er war so überrascht, dass er sich nicht vom Fleck rührte und auch keinen Mucks machte.

„Scheisse noch mal, hier muss doch wer sein!“ rief sie, „Scheeeeissee!“. Sie trat einen Blecheimer um, der scheppernd über den Schotter flog und in der Einfahrt liegen blieb.

Sie heulte.

Er stieg vom Bett, die Tagesdecke glitt zu Boden, er zog sich den Bademantel über und ging zur Tür. Die war nur angelehnt, er stupste sie mit dem Zeigefinger an, so dass sie langsam aufging.

Sie trat noch einmal hinter dem Eimer hinterher, obwohl der längst schon in der Einfahrt rumlag, und stolperte fast dabei. Er stupste die Tür ganz auf und streckte den Kopf raus. Es war gar nicht so kalt.

Sie hatte im Augenwinkel die Bewegung bemerkt und schaute ihn an und rief:

„Haalloo!“

Sie lief auf ihn zu, er machte eine winkende Handbewegung, die nach innen wies, wandte sich um und ging nach drinnen. Er machte sich am Ofen zu schaffen, füllte einen Kaffeekocher mit Wasser unten Kaffeepulver oben, stocherte in der Glut im Ofen, warf geknülltes Zeitungspapier und ein paar Holzscheite hinein und als es loderte, stellte er den Kaffeekocher obenauf. Als sie reinkam, wies er auf den Tisch, sie setzte sich auf die Bank am Kachelofen.

„Scheisskalt, nicht wahr“, sagte er.

Sie schüttelte sich und rieb sich die Hände warm und klopfte sich auf die Backen. Dann drückte sie die Stirn an die Kachelofenwand und dann die eine Backe und dann die andere.

Der Kaffee spratzte und blubberte im Kaffeekocher, er füllte einen grossen Becher und schob ihn ihr hin. Zucker stand auf dem Tisch. Auch ein Krug Milch, den er eine halbe Handbreit in ihre Richtung schob.

– 2–

Sie hielt den Becher mit beiden Händen und hielt das Gesicht über den Kaffeedampf bevor sie trank.

„Ja, das tut gut“, sagte sie.

„Sandstrand ist: auf die Knie fallen ohne dass es weh tut“ stand auf einem mit einer Reisszwecke an die Tür gehefteten Zettel. Strand ist aber oft ziemlich weit weg, dachte sie.

„Bist du allein hier draussen?“, fragte sie.

„Warum? Schmeckt der Kaffee nicht?“, fragte er zurück.

„Neinnein“, sagte sie.

Er nahm einen Eimer mit Obst-, Kartoffeln- und Eierschalen für den Kompost und ging raus.

Ein Luftzug fegte die Zeitung von der Bank und mit einem Knall schlug die Türe zu.

Sie zuckte kurz zusammen und leerte den Kaffeebecher.

Als er nach einer Weile noch nicht wieder zurückgekommen war, stellte sie den Kaffeebecher in die Spüle und setzte sich wieder. Dann stand sie wieder auf und spülte den Becher ab. Da kam er wieder rein. „Ah, gut“, sagte er.

– 3 –

„Jetzt sag mal, was willst du hier oben denn überhaupt.“

Sie machte eine unbestimmte Handbewegung. „Aber gedacht hast du dir schon was dabei, oder.“

„Ja, schon.“

Sie umfasste seine Hand mit leichtem Druck. Er zog seine Hand nicht weg.

Als es Abend wurde, legte er ihr eine Decke auf das Sofa in der Stube. Ein Kissen dazu. Und sagte zu ihr: „Da.“

Er stand im Dunklen im Flur und lauschte. Sie atmete so, dass er es hörte und sich dabei ihre Brust sich vorstellen konnte, wie sie hebend und senkend sich im Takt bewege. Mit der Hand streichelte er den Türrahmen. Als sei er ganz nah bei ihr.

Er setzte sich wieder in die Küche, machte eine Kerze an und trank etwas.

Er nahm ein Buch vom Bord und schrieb etwas ein.

„Ob sie was weiss?“ murmelte er, „ich frag sie morgen mal danach“.

„Entweder ist sie zufällig hier hochgekommen“, dachte er, „oder sie will etwas. Vielleicht kennen sie sich ja.“

„Na denn eben nicht“, dachte er und küsste sie auf die Stirn. Er nahm eine Lampe, entzündete sie und ging nach draussen. Beinah musste er lachen. Das war alles so merkwürdig. Was hat die Frau da drinnen hier zu suchen.

Er hörte drinnen Schritte.

Er wandte sich um und sah sie durch den Hausflur in die Küche gehen. Durch das Küchenfenster sah er, wie sie in den Papieren auf der Anrichte blätterte als suche sie etwas. „Na da schau an“, flüsterte er.

Sie schaute in den Flur und blätterte weiter. Er sah ihr aus dem Dunkeln dabei zu.

Ein Blatt legte sie zur Seite. Kurz glaubte er gesehen zu haben, dass sie etwas zu seinen Papieren gelegt habe. Sie schaute in den Flur und kurz zum Fenster und legte die Papiere wieder hin. Das eine Blatt nahm sie mit.

Er blieb noch draussen.

„Na denn“ sagte er, trat den Schnee von den Stiefeln und ging rein.

„Wenn das so ist“, sagte er leis.

Er zog sich aus, löschte das Licht und legte sich zu ihr.

Er schmiegte sich an ihren Rücken und schlief rasch ein. Als er anderntags erwachte, war sie nicht mehr da.

Aber das Geschirr vom Abend war gespült und verräumt und warmer Kaffee war in der Kanne. Von ihr keine Spur. Er schnitt sich ab vom Brot und tunkte es in den Kaffee im Becher.

Ihm fiel bei den Papieren auf der Anrichte nichts auf das fehlte.

„Na denn“, sagte er. Er wusch sich an der Schüssel auf dem Herd, zog sich an, nahm die Axt hinter der Tür und ging raus, holzhacken.

In den Tagen danach geschah nichts ungewöhnliches. Doch dann war sie wieder da. Sie kam einfach rein, küsste ihn fröhlich auf die Wange, packte ihren Rucksack aus und verstaute die mitgebrachten Lebensmittel. Ein paar Bücher hatte sie dabei und Wein.

Sie tischte auf und sie assen zusammen. Frisches Brot, Käse und Wein. Und etwas Sonne machte sie lachen.

Sie erzählte von ihren Einkäufen und von den Geschäften im Tal und alles wirkte so erfrischend beiläufig. Und unkompliziert.

Sie räumten zusammen den Tisch ab, stolperten gleichzeitig über die Schwelle und wussten genau, was der Wein sie gefragt hatte.

„Sag mal, wie heisst Du eigentlich“, fragte er, als sie dann im Bett beinander lagen.

„Du spinnst doch total“, sagte sie.

„Na denn eben nicht“, dachte er und küsste sie auf die Stirn.

– 4 –

Sie kamen gut zurecht im Alltag. Sie ergänzten sich und waren wie ein längst eingespieltes Team. Er staunte oft, wie sie, ohne nachfragen zu müssen, die Handgriffe beherrschte und wie sie sich bewegte in Haus und Hof, als wäre es schon immer so gewesen.

Sie hatte ein feines Gespür dafür, wo auf dem Dachboden ein Balken brüchig war, auf den zu treten sie vermied. Den sie gleichsam umtänzelte.

Was das alles sollte, wusste er nicht, aber er fragte nicht danach. Ihm war die Situation ein wenig unheimlich, aber sie war eben so. Doch da nichts gefährlich schien, gab es keinen Grund für ihn, da eine Änderung forcieren zu wollen. Nachts legte er sich oft zu ihr.

Manchmal wars lausekalt gewesen draussen und drinnen prasselte das Feuer im Kachelofen und im Herd. So ging der Winter ins Land.

An einem Abend um die Jahreswende waren sie sich näher gekommen. Sie fand das lustig. Er wusste nicht so recht, wie er damit umgehen solle.

– 5–

Der Sommer war bald vorbei, sie hatten manchmal in der Morgenstunde auf den Felsen gestanden und zu den anderen Bergen gesehen. Oder ins Tal. Die Luft war klar. Und der Herbst ging und auch der Herbst darauf.

– 6–

FAZ und Twitter

Björn Biester, Redakteur der Zeitschrift „Aus dem Antiquariat“, schreibt morgen in der FAZ über twitternde Antiquare. Ich bin auch dabei:

Da gibt es den zurückgezogen in einem Haus voller Bücher lebenden Power-Twitterer Tobias Wimbauer (twitter.com/wimbauer), der sich einen Namen als Ernst-Jünger-Forscher gemacht hat und seine mehr als 1000 Twitter-Anhänger am Antiquarsalltag (Katalogisieren, Bücherversand, Rechnungen schreiben, Katzen, Biowein) teilhaben lässt.

(Text: F.A.Z., 29.08.2009, Nr. 200 / Seite 40)

Hier gehts zum Artikel.

Neues Interview

Heute ging ein neues Interview mit mir online. Die Schriftstellerin Nicole Rensmann interviewte mich in Ihrem Blog über Lesen, Schreiben, Antiquariatsleben, Phantastisches und Jünger.

Das Interview gibts hier online und hier als PDF

Eine aktuelle „Erweiterung der Bücherhöhle“ ist darin noch ungenannt, dazu alsbald mehr.

PS hier die andern Interviews von diesem Jahr:
Das Wortreich 1
Das Wortreich 2

Das Gespräch

TW

TW

Todesanzeige

In diesen Tagen sah ich mehrfach angezeigt das Buch „Aus die Maus: Ungewöhnliche Todesanzeigen“ von Matthias Nöllke und Christian Sprang.

Aus meinen Zeitungsstapeln hier ein Beispiel dafür, dass es seinen Sinn hat, dass man in Situationen mit Gefühlsverwirrnis ins Floskelhafte verfällt und bestimmte Gefühlslagen nicht individuell auszudrücken versucht, sondern sich überkommener Formeln und Redewendungen bedient.

Aus der „Süddeutschen Zeitung“ vor einiger Zeit also schnitt ich dies hier aus:

todesanzeige

todesanzeige

Von „anpaken“ bis „Wirkung, unter denen“, „durchtragende Ideen“ und „mitgenommene andere“. Über die Diskrepanz von „wesentlich“ und „mitgetragen“ (statt getragen) liesse sich weitgeschweift plaudern usw.usw. Ich wüsste kaum, wo ich anfangen sollte.

Nun denn. „Und was lernt uns das?“ Sprachlosigkeit angesichts des Todes ist keine Schande, dafür gibt es Floskeln und tradierte Formeln.

Mittag!

Rasch etwas, das inzwischen den Rang der täglichen „FAQ“ hat:

Mein üblicher Mittagstweet lautet „Hunger! Frühstück!“ und fast jeden Tag fragt ein Twitterer nach oder klärt mich auf, dass das „Mittagsessen“ oder „Mittag“ heissen müsse, nicht aber „Frühstück“.-  Um das nicht jeden Tag erneut zu erläutern, hier kurz die Erklärung: ich nehme 2 Mahlzeiten am Tag ein. Eine Mahlzeit zwischen 12 und 14 Uhr (je nachdem wie die Post kommt und wie ich mit der Ausgangspost fertig werde) und die zweite Mahlzeit zwischen 18 und 20 Uhr (je nachdem wie meine Frau nach Hause kommt). Das erste heisst bei mir Frühstück, das zweite heisst bei mir Abendessen.

Hunger! Frühstück!

Hunger! Frühstück!

http://tinyurl.com/nbghcs

Jahrestag

5. Hochzeitstag. Wie die Zeit doch rast. Und doch ists so als wäre es schon immer so gewesen wie es ist. Davor war doch alles Schwarzweiss.

P1550668

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