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Archive for März 2009

Das Kurzzeitgedächtnis von Lesern wird völlig überschätzt. Wenn Zahlen oder Tendenzen in Ihrem Artikel nicht zur Grafik passen, ist das vernachlässigenswert, es fällt sowieso niemandem auf. Oder nur den notorischen Leserbriefschreibern.

Ein Beispiel aus der FAZ vom 27. März 2009, Nr. 73, Seite 19:

faz 27. März 2009

faz 27. März 2009

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Primzahlen, durch andere undividier-
bar; die Primelchen auf dem Brette hier
Zerhacke und zerteil’ ich mir
und ordne sie an zu einem Gericht:
Primelsalat an Primzahlgedicht.

(ca. 2004/2005)

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Derzeit wird in Zeitungen und im Internet mehr oder weniger informiert und mehr oder weniger ernsthaft bis aufgeregt über Fragen des „Open Access“ (bei manchen aka “Open Enteignung”) diskutiert, darein mengt sich die Diskussion über das Vorgehen von Google: ganze Bibliotheksbestände werden gescannt und online gestellt.

Als Autor, Rechercheur, Informationsjunkie und Dauersurfer bin ich in jede Richtung befangen. Beim Versuch zu sagen, was ich nun von Google Buchscan / Open Access halte, kam ich zu dem Schluss, dass ich die Buchscans befürworte, wenn sie nicht so durchgeführt werden, wie von Nicholson Baker in „Der Eckenknick“ geschildert, nämlich mit ersatzloser Vernichtung des Originals nach dem Scan. Die erzürnt Baker zurecht.

1. Als Autor. Als Autor bin ich natürlich an der Verbreitung meiner Texte interessiert. Nicht zuletzt aus pekuniären Gründen. Denn nur ein verkauftes Buch bringt etwas ein.

2. Als Rechercheur. Als Rechercheur für beispielsweise mein Buch „Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers“ (Freiburg 1999: Rombach; 2. Aufl.: Schnellroda 2003: Edition Antaios, derzeit vergriffen) bin ich auf gute Quellen angewiesen für Lebensdaten, Zitatverifikation usw. Und da führte früher kein Weg an gedruckten Quellen vorbei, da Onlinequellen oft widersprüchlich waren. Durchsuchbare, gescannte Bücher lösen da allerhand Probleme im Handumdrehen. Es werden mit einem Klick Quellen verfügbar, nach denen ich mir vor 10-12 Jahren bei meinen Recherchen fürs Jüngerregister noch die Füsse wundlief.

3. Als Leser und Autor. Schon mehrfach habe ich über Googlebuchdings in Bücher hineingesehen, ebenso mit der SearchInside-Funktion von Amazon. Und einige der Bücher habe ich nach 1-2 angesehenen Probeseiten dann gekauft und gelesen, oder zur Lektüre irgendwann in die Regale gestellt. Manches Buch allerdings habe ich nach Durchsicht einiger gescannter Seiten ganz bewusst nicht gekauft.

4. Als Autor. Von mir sind im Moment zwei Bücher komplett verfügbar bei Googlebuch: Mein Jüngerregister in der 2., überarbeiteten und erweiterten Auflage von 2003, und „Anarch im Widerspruch. Neue Beiträge zu Werk und Leben der Gebrüder Jünger“ von 2004 .

Wenn man nun in diesen beiden Büchern sucht, bekommt man 5-Zeilen-Schnippsel angezeigt und mehr nicht. Man kann also nicht einmal ganze Seiten oder mehr lesen. Kurz: Wenn jemand etwas sucht, etwa einen Namen, dann findet er rasch, ob er im durchsuchten Buch fündig wird – oder nicht. Aber sich durch ein ganzes Kapitel mit diesen Schnippseln durchzusuchen, das dürfte jedem zu aufwendig sein, und wenn das Buch nicht absolut verschollen ist, wird man eher das Buch leihen oder kaufen, als da sich die Finger wund zu frickeln. Und auch die recht comfortable Search-Inside-Funktion von Amazon, die zwar ganze Seiten anzeigt, aber eben nicht mehr, führt nicht dazu, dass das Buch dadurch unkaufwürdig wird.

Ich bin der festen Überzeugung, dass jemand, der regelmässig mein Jüngerregister nutzen will, oder jemand, der den „Anarchen im Widerspruch“ lesen will, dass dem ein PDF o.ä. nicht genügt. 300+ Seiten liest man nicht am Bildschirm.Die druckt man sich auch nicht aus. Die will man als Buch.

Und wenn doch: jemand der das tut, würde das Buch auch nicht kaufen, wenn es nicht online im Volltext verfügbar wäre. Der würde warten, bis jemand die Datei irgendwo hinstellt. Oder eben auf die Lektüre verzichten.

Oder er würde in die nächste Bibliothek gehen und sich das Buch ausleihen oder per Fernleihe kommen lassen. Im Gegensatz zur Online-„Fernleihe“ via Buchscan, regt sich darüber niemand auf. Weil das ja zum Bildungsauftrag des Landes gehört usw. Die Onlinebibliothek ist aber vielleicht die adäquate Ausformung des Bildungsauftrags für das 21. Jahrhundert? Nicht? Doch!

Nochmal als Autor. Im ersten Moment hatte ich mich geärgert als ich sah, dass die beiden genannten Bücher von mir komplett online sind, weil mich niemand gefragt hatte und den Verlag auch nicht. Im zweiten Moment aber fühlte ich mich geschmeichelt, dass man meine Bücher Seite für Seite in der University of Michigan auf den Scanner legt und ablichtet. Überhaupt ist es doch toll, dass die Bücher in Michigan stehen, dass man sich dort dafür interessiert.

Und die Vorstellung, dass eine studentische Hilfskraft oder sonstwer meinethalben ein Paarhundertmal auf den „Start“-Knopf drückte, finde ich vergnüglich.

Vieles in der aktuellen Debatte geht weit vorbei, etwa wenn Marek Liebermann in der Süddeutschen von heute von der „Gratis-Fratze“ spricht, die den Kreativen die Geschäfte verhageln würden. Das stimmt doch nicht. Es ist letztlich Gratis-Werbung:

Bei einem guten Buch ist jede gescannte Seite ein Kaufargument.

Bei einem schlechten Buch ist jede gescannte Seite ein Fingerwegdavonargument.

Aber unterstellt, dass ein Leser selbst entscheiden kann und vielleicht ganz andere Masstäbe hat als vielleicht ich, ist das Qualitätsargument nachrangig.

Bei wissenschaftlichen Texten – um diese geht es eigentlich bei der Open-Access-Debatte, es geht nicht um Romane oder Lyrik – sind die Verkaufszahlen sowieso meist vernachlässigbar. Für den Autor gibt’s meist ohnehin nur Freiexemplare und / oder Sonderdrucke, wenn Honorar, dann auch nur pauschal, aber doch nicht nach Verkaufszahlen. Es zählt für den Autor (der Verleger misst anders) also allenfalls, dass möglichst viele seine Thesen, Ausführungen, Erkenntnisse etc.pp lesen, und dass sie zitiert werden. Durch Scan und kostenfreie Onlineverfügbarkeit ist für Verbreitung und damit virulente Wirksamkeit gesorgt.

Die ungefragte Bucherfassung durch Google ist zwar zunächst ein Rechtsbruch – etwa analog zum Photokopieren eines vollständigen Buches [wer hat das als Student noch nie gemacht?!], nämlich eine Urheberrechtsverletzung. Aber, grosses Aber: dieser Rechtsbruch ist für Forscher und Liebhaber, für Leser und Rechercheure von Nutzen. Er ist Weichenstellung für etwas wichtigeres:

Denn eigentlich ist die ungefragte Bucherfassung in grossem Stil nichts anderes als die Modernisierung des Bibliotheksbegriffs. Sie ist dabei nicht weniger als die Revolutionierung des demokratischen Bildungsideals: das jederzeit zugängliche, geballte Wissen für jedermann.

Es gibt viel Unnützes und Halbwahres im Netz. Je mehr gute, wichtige, intelligente, kluge, weisheitsdurchsättigte Texte online sind, desto mehr haben alle davon und desto obsoleter werden obsolete, halbgare Quellen:

Ich hörte von allerlei Schularbeiten, deren einzige Quelle die Wikipedia war. Wenn künftig „Google Buchsuche“ die Hauptquelle sein wird, ist mir auch um die Bildung der Schüler nicht mehr bang.

Eines noch zum Schluss. Beim Überlesen dieses Textes beschleicht mich die Befürchtung, dass dies als Progoogletext aufgefasst werden könne. Das ist es gar nicht. Wer mich kennt, der weiss das. Und wer mich nicht kennt, der weiss es jetzt.

Bringt die Bibliotheken zu den Leuten! Anders gesagt: Bringt die Bücher zu den Leuten! Als Antiquar und Autor habe ich ohnehin nichts anderes im Sinn.

Mehr zum Thema Open Access hier

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Bildunterschriften sind stets so zu formulieren, dass sie das auf dem Bild gezeigte benennen und mit zusätzlichen Informationen spiegeln. Hier ein Beispiel aus der “Badischen Zeitung” (Freiburg) vom 27. März 2009:

"Badische Zeitung" (Freiburg) vom 27. März 2009

"Badische Zeitung" (Freiburg) vom 27. März 2009

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Mehdorn ist unschuldig. Ihm sind die Wattestäbchen nur untergeschoben worden.

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Jürgen Dollase ist wieder geneigt, unseren Texturzähler foppen zu wollen. Auf die von mir favorisierten “Texturen” verzichtet er in seinem Beitrag in der morgen erscheinenden FAZ gänzlich, dafür bringt er den von Wall of Time ins Spiel gebrachten “Akkord” gleich zwiefach:

  1. “… Schon früh hat er sich mit dem Akkord von Wein und Essen beschäftigt…”
  2. Selbst ein kleiner Bissen davon zerstört jeden mögliche Akkord

Fürs Protokoll: Dollase schreibt über den ehemaligen Dreisternekoch Alain Sederens in  Paris (F.A.Z., 28.03.2009, Nr. 74, Seite 30 “Abgespeckte Meisterküche“)

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Harki hat den Tag des Frühlingsgedichts ausgerufen. Da will ich nicht säumen.

Es ist so frühlinesk in mir
Musik mit Baß und ein zwei Bier

– ein altes Weib, das Trauer trägt,
am andern Tisch, sie lacht und lacht:
“Erbschaft? Hab‘ schon die Enkel überlebt” –

Musik mit Baß, Bier drei bis acht
so frühlinesk, die Alte zahlt und geht.

(um 2000)

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Zu freiburger Zeiten hatte ich ein Gedicht von Charles Bukowski an die Türe geheftet, das hatte ich mit meiner Reiseschreibmaschine abgetippt. Das schien mir passender zu sein als eine Kopie oder ein Scan. Das Gedicht handelte vom trinkbaren Freund. Mit den Monaten bekam das Blatt Knicke vom Dranvorbeilaufen, Ranschrammen, Ranstolpern, und  Risse und irgendwann war das Blatt weg.

Auf Bukowski kam ich dann später wieder, in Hagen. Ich las seine Erinnerungen/Romane, die Tagebücher, die Briefe [die Briefe! wer Buk nie mochte: die Briefe sind toll! --> perfekter Einstieg]. Und dann wollte ich dieses eine Gedicht wieder lesen, wiederfinde, das mir in den letzten Freiburger Monaten so viel gesagt hatte.

Ich habe hier im Regal eigentlich alles gängige von Buk. Auch ein paar seltenere deutsche Ausgaben. Leider nix signiertes (kommt noch). Aber ich müsste eigentlich ziemlich komplett sein. Gelesen habe ich nicht alles, quergelesen aber schon. Wäre das Gedicht dabei gewesen, hätte ich es gewiss entdeckt.

Vielleicht war es auch dabei und ich habe es nicht mehr erkannt. Vielleicht nicht, weil es ein anderes Gedicht geworden ist, sondern weil ich die Magie nicht wiederfand. Bei dem ein und andern dachte ich: das ists. Aber ich fand dann die zwei, drei Verse nicht darin, die ich im Kopf hatte. Nicht mehr wörtlich, nurmehr als Melodie, wenn überhaupt, als Gefühl, als Stimmung, als eine Mischung von Licht und irgendwas Nichtgreifbarem.

Von 2001 kam vor ein paar Tagen der neue Taschenbuchband “439 Gedichte”. Ich hatte zu spät gemerkt, dass ich die Texte eigentlich schon alle habe, schliesslich gab’s ja auch mal den ähnlich bezifferten Leinenband von auch 2001 (?). Egal, jetzt liegt er hier auf meinem Schreibtisch und immer wieder zwischendurch greife ich danach und schlage ihn irgendwo auf.

Die Verse von meiner freiburger Türe finde ich wohl nicht mehr wieder. Zu fremd ist mir diese Zeit geworden, zu weit weg, die Magie der Verse und bestimmter Momente ist als Gefühl nicht mehr greifbar. Im Rückblick verfärbt sich all das wie ein Polaroid, das zu lang an einer Pinnwand hing.

—- update 27.iii.09

Ich holte den Leinenband der “439 Gedichte” aus dem Regal und sah, dass er gänzlich identisch ist mit der eben erworbenen Taschenbuchausgabe. Egal.

Meine Leinenausgabe erwarb ich gebraucht bei eBay. Vorn ist eine Widmung an den Vorbesitzer drin: “In der Hoffnung, dass du mir noch an vielen Abenden hieraus vorlesen wirst! von Birgit am 22.2.2003″. Ich bekam das Buch im März 2006. Hat also nicht so lang’ gehalten, das mit dem Vorbesitzer und dieser Birgit. Sie hätten sich vielleicht erstmal anderes vorlesen sollen.

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In dem frankfurter Online-Magazin http://www.weltexpress.info erschien heute eine erstaunliche Rezension zu meinem Buch “Lagebericht und andere Erzählungen ” (2008).

Für den nur flüchtig Interessierten hier 3 Sätze daraus, für alle andern, die ganze Rezension hier

“Ein Stück Gegenwartsliteratur im besten Sinne des Wortes”
“Balanceakt über vermintem Terrain”
“Das abwechslungsreiche Debüt eines undogmatisch zu Werke gehenden Autors”

Das Buch gibts überall im Buchhandel, bei Amazon usw. Und natürlich bei mir.

~~ Update 05. Juni 2009

Da die Rez leider nicht mehr online ist, habe ich sie auf meine Homepage als PDF hochgeladen: PDF

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Ein posthumes Portrait ziert den Deckel des Buches “Ernst Jünger. L’Europa cioe il coraggio / a cura di Daniele Lazzeri” (Cusano Milanino 2003: Societa Editrice Barbarossa). Wenn ich das richtig verstehe, ist das Bild von Daniel Casarin (Okt.2003):

Daniel Casarin: Ernst Jünger, 2003

Daniel Casarin: Ernst Jünger, 2003

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