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Archive for 19. Dezember 2008

Heute fertig geworden und bei Amazon gibts 10 Exemplare:

http://www.amazon.de/Schnee-Bl%C3%A4ttern-drunter-Tobias-Wimbauer/dp/B001O6DK9M/ref=sr_1_8?ie=UTF8&s=books&qid=1229730701&sr=1-8

Nacht, Wein, ein Falter und die schräge Story einer Beziehung.

Die Herstellung war reine Handarbeit:

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Ich werde häufig von Ohrwürmern geplagt, die von irgendwoher kommen und sich in meinem inneren Ohr einnisten. Woher sie sind, das weiss ich nicht. Warum ausgerechnet diese oder jene Melodie, weiss ich auch nicht.

Gestern und heute, diesen fiesen Refrain:

Das will man  eigentlich gar nicht wissen (aber auch nicht als Ohrwurm haben :))

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Kritisches Bewusstsein. Das ist der Zustand, der bei ganz intellektuellen Leuten der Moment zwischen Weinlaune und Suff ist. Ein rascher Übergang von grosser Klarheit und Einsicht für Sekunden, in dem alles ganz logisch und verstehbar und zu erklären ist, aber dann ringt man schon mit den Worten und aus ists mit der Klarheit. Aber ein tolles Gefühl ist das schon.

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Zweites Kapitel aus dem Roman “Milchferkelhalterabend” (begonnen 2003, abgebrochen im selben Jahr):

Ob ihm das etwas gebe, hatte Marie ihn also gefragt. Und hatte seine Freude an schönen Ohren gemeint. Besonders die an Ohrläppchen. Diese mal kleinen, mal größeren zarten Fleischlappen, die zwischen den Fingern zu spüren ein ungemeines taktiles Vergnügen darstellt. Man sollte so etwas sammeln können, hatte er sich gedacht. Beißt man zu lange in ein Ohrläppchen hinein, so wird die Stelle rot bis lilafarben, je nachdem wie stark oder wie lang man gebissen hatte. Der Geschmack ist es nicht. Der ist so besonders nicht. Wie jede Haut eben, das hängt vom benutzten Parfum oder der Seife ab, wie sie schmeckt. Ohrläppchen haben keinen Eigengeschmack.
Aber die Konsistenz! Zart wie ein Filetstück Kinderpopo. Ein bißchen wie diese Joghurt-Gums, nur fester, also eher wie frische Weingummi-Drops. Die Vorstellung, lange und ausgiebig und genüßlich und kaum hörbar schmatzend an Maries Ohrläppchen lecken und knabbern zu können, die bereitete Robert ein ausgesprochenes Vergnügen. Das heißt ein ausgesprochenes Vergnügen war es ja nicht, es war ein unausgesprochenes, heimliches. Robert hatte Marie gegenüber darüber nur so nebenbei gesprochen, in einer Unterhaltung über die verschiedenen Vorlieben, die „man halt so hat“, und da hatte Robert gesagt: „Ohrläppchen sind eigentlich doch die schönste Partie eines Körpers“, und hatte dabei gelacht. Das hatte Marie sich gemerkt. Deswegen auch ihr Abschiedswort: Halt‘ die Ohren steif…
Ja, natürlich „gibt“ mir das ‘was, dachte Robert. Natürlich, was denn sonst.
In der Kaffeeküche des Büros saß Urs Meyer von Knonau und sah reichlich zerknittert aus. Vor sich hatte er die braune anderthalbliter Glasflasche des trüben, obergärigen Hausbräu–Bieres aus dem BRAUHÄUSCHEN, zwei Straßen weiter: Knöni frühstückte.
„Prost Robert, guten Morgen.“
„Prost, Urs, Morgen auch.“
„Auch ‘en Schluck?“
„Ne, ne, laß mal. Muß noch zur Malibran.“
„Oh Malibran, oh Malibran, ich schau dich ja so gerne an…“, flötete Urs Meyer von Knonau.
„Die kannste mir doch lassen, Urs. Wenigstens die Malibran.“
„Fällt mir gar nicht so leicht, kannste dir ja denken. Prösterchen“, und schenkte sich noch einmal nach.
Robert schraubte den italienischen Aluminium–Kaffeekocher auf, spülte den Kaffeesatz gestrigen Tages in den Abfluß, füllte Wasser und Kaffee ein und stellte das Gerät auf die Herdplatte.
„Du mit deinem Kaffee…“
„Die Filtersuppe von der Liek schmeckt doch wirklich scheiße.“
„Deswegen trink‘ ich ja auch natürtrübe Brühe, deren Kühle ich fühle ohne Mühe in der Frühe.“
„Au, das tut ja weh.“
„Wann gehste zur Malibran?“
„Jetzt gleich nach’em Kaffee.“
Urs Meyer von Knonau erhob sich von seinem Frühstücksplatz, legte die linke Hand vor seinen Bauch und deutete in vollendeter Galanterie eine Verbeugung an: „Würden Sie der verehrten Mademoiselle meinen Gruß entbieten und Sie meiner tiefempfundenen Verehrung versichern nebst artigem Kratzfuß und zartgehauchtem Kuß auf die süßen Fingerchen?“
Robert, die Augen verdrehend: „Geht klar, Knöni, mach‘ ich.“ Ebenfalls eine Verbeugung andeutend, sagte Robert dann, in versucht österreichischem Tonfall: „Und Sie, Herr Professor, ömpfehl‘n’s mich der gnäd’gen Assistäntin und Ihrer veröhrten Frau Gemahlin.“
„Wie belieben, Herr Magister.“
„Dank‘ schön, Herr Professor.“
„Quatschkopp.“
„A‘, gehn’s.“
Der Kaffee brodelte auch schon. Zwei Löffel Zucker, einen Schluck Milch. Göttlich. Robert trank die halbe Tasse, stellte sie auf seinen Schreibtisch und ging zur Toilette. Der Nachteil des von ihm bevorzugten portugiesischen Kaffees nämlich ist, daß er binnen Minuten auf die Verdauung schlägt. Während er an eben jenem Orte saß, mußte er über die wie stets eine Spur zu albern geführte Konversation mit Urs Meyer von Knonau denken. „Die verÖHRte Frau Gemahlin, das war gut“, dachte er, „ja, die Öhrchen…“
Er konnte es Knöni nicht übelnehmen, daß er nie so richtig präsent war, konnte irgendwie keiner. Er war ja ein lustiger Kerl und liebenswürdig obendrein. Nur eben immer ein betrunkener lustiger Kerl und trotzdem liebenswürdig. Aber so lange alles glatt ging mit seinen Häusern, warum nicht. Der hat sich halt gedacht, das reicht auch so, warum phantasievoll sein, das reicht auch so für ein gutes Leben, das reicht auch so, auch so. Ja, auch so.
Robert leerte die Kaffeetasse, stellte die geleerte Tasse in die Spülmaschine in der Küche, packte zwei Aktenmappen in seine schwarzlederne Aktentasche und sagte zu Urs Meyer von Knonau: „Ich geh‘ dann jetzt mal.“
„Jau, bis später dann, Robert.“
Als Robert die Straße gerade überquert hatte, sah er Lieks Wagen um die Ecke kommen.
„Grad noch rechtzeitig“, murmelte er vor sich hin. Denen wollte er nicht schon so früh begegnen. Lieber Mittags, wenn er schon ‘was geschafft hatte, wenn er schon einen ganzen Haufen Papier mit seinen auf Post-its notierten Kommentaren auf ihrem oder seinem Schreibtisch abgelegt hatte und verschiedene Protokolle und Akten geschrieben beziehungsweise durchgesehen waren und es eigentlich nichts mehr zu tun gab. Dann hielten Lieks ihn für fleißig: „Wir sind ja soo froh, daß Sie hier sind; da wissen wir immer: es läuft, wenn wir g’rad mal außer Haus sind.“ – „Ja, daran liegt’s ja, Frau Liek, daß es läuft, wenn Sie außer Haus sind…“, das dachte Robert natürlich nur, sagte es aber nicht. Knöni, der brachte so etwas fertig und sagte es auch. Aber die kannten sich auch schon seit dem Studium, die Lieks und Meyer von Knonau, da konnte er das machen. Außerdem war er ja als Architekt unentbehrlich, glaubten sie.
Im Amt. Bei Frau Malibran. „Ich grüße Sie, Frau Malibran. Waren Sie im Urlaub? Sie sehen bezaubernd aus. So ausgeruht, so schöner Bräune Glanz, wenn der Sonne Strahl Sie umfängt…“
„Jetzt fangen Sie auch schon so an. Meyer steckt an, was?“
Sie nannte Urs Meyer von Knonau immer mit dem vulgäreren Teil seines Namens; kleine Perfidie, um seinem Werben leichter zu widerstehen.
„Oh, dies zu befürchten steht. Der Herr Architekt läßt grüßen.“
„Dankeschön. Jetzt aber wieder normal. Was steht an, Herr Reißner?“
Robert packte die Akten aus, sie holte die dazugehörigen Akten aus ihren Aktenschränken. Sie kamen recht zügig, da konzentriert, mit allem durch. Robert betrachtete sie halb verstohlen dabei, während er irgendwelche Details der Pläne erläuterte. Sie trug keine Ohrringe, sie hatte nicht einmal Löcher gestochen. Das fand Roberts besonderes Gefallen, und er schlug vor, man könne ja gemeinsam einen Kaffee einnehmen oder einen Happen ‘was essen gehen.
Sie gingen in eines der Straßencafés in der Innenstadt, aßen jeder einen Salat. Er nippte an seiner Apfelschorle, sie an ihrem Tonic water.
„Sie gestatten? Ich heiße Robert“, sagte er.
„Ich weiß“, sagte sie. Schön während sie es sagte, schaute sie bedauernd. „Tschuldigung, das war blöd“, sagte sie gleich darauf, während sie mit der Hand wedelte, als wolle sie die beiden Worte aus der Luft vertreiben und es sah aus, wie wenn sie sich die Hand verbrannt hätte.
„Tschuldigung. Ich heiße Claire“, sie streckte ihm die Hand hin.
„Es ist mir ein Vergnügen.“
Sie sprachen über alles mögliche. Nicht so sehr privat, so gut kannte man sich ja noch nicht; hauptsächlich halbberufliches. Die lieben Kollegen, die im Amt bei ihr und die im Büro bei ihm. Sie zahlten getrennt und gaben sich zum Abschied die Hand.
„Tschüs Robert, das war schön!“
„Tschüs Claire, ja, das war schön. Ich komm‘ bald mal wieder…“

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