Einer der Financiers meines Vaters [Herbert Wimbauer, 1944-2012, Schriftsteller, Verleger und Philosoph] war “Opa R.”. Opa R. war auch mein Patenonkel. Opa R. wurde nur von mir Opa genannt, in Wirklichkeit war er nicht mein Opa, aber weil er so oft bei uns zu Besuch war, hiess er eben Opa R. für mich und ich duzte ihn. Kurt R. kam aus Breslau oder Bromberg oder Königsberg, ich weiss es nicht mehr so genau, und das Stichwort ‚Polen’ reichte aus, um ihn auf hundertachtzig zu bringen. Zu Reichszeiten war Opa R. bei einer der bekannteren Einheiten der Waffen-SS (bei welcher, habe ich leider vergessen). Im bürgerlichen Nachkriegsberuf war Opa R. Zahnarzt. Ein ziemlich schlechter Zahnarzt. Die Füllungen rührte er auf Betonbasis selbst an, mit Lötkolben; ich erinnere mich an erstaunte Gesichter von moderneren Zahnärzten, da sie das sahen… Ich weiss heute noch genau, wie dämmrig das Licht in der Praxis war mit diesem nikotinfarbenen Gelbstich darin, ich weiss noch genau, wie es roch. Ich weiss auch noch, wie das Haus aussah von aussen und wie der Hausflur. Opa R. starb im Krankenhaus; er war gestürzt und hatte sich die Hüfte (?) gebrochen. Das Liegen im Krankenhaus setzte ihn schachmatt.- Er finanzierte Papa und auch die anthroposophische Christengemeinschaft in Villingen-Schwenningen. Ich hab mal mit ihm Federball gespielt im Garten. Ich weiss noch genau, wie es aussah in seinem Haus. Wenn Opa R. zu Besuch kam, gingen wir meist essen. Papa ass dann meist Forelle blau. Die gab’s zuhause nämlich nicht, Mama weigerte sich standhaft, Fisch zuzubereiten. Einmal kochte Mama Rouladen und hatte die Bindfäden um die Rouladen nicht entfernt. Opa R. wusste wohl nicht so recht, wie er unauffällig das Malheur umgehen konnte, also wickelte er den Faden sorgfältig mit der Gabel auf und ass ihn mit. Ob das stimmt, frage ich mich, da ich es niederschreibe. War das nicht Show für mich?
Opa R.
10. Dezember 2008 von Tobias Wimbauer
Veröffentlicht in Landschaften im inneren Vorbeifahren | Getaggt mit Christengemeinschaft, Herbert Wimbauer, Waffen SS | Hinterlasse einen Kommentar
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-März 2010: Tobias Wimbauer: Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers. Hagen-Berchum 2010: Eisenhut Verlag, 3., aktualisierte Auflage, 244 Seiten, Broschur, ISBN 978-3-942090-02-5, EUR 29,90 - Januar 2010: Tobias Wimbauer: Anarch im Widerspruch. Neue Beiträge zu Werk und Leben der Brüder Ernst und Friedrich Georg Jünger. Hagen-Berchum 2010: Eisenhut Verlag, 2., veränderte Auflage, 308 Seiten, Broschur ISBN 978-3-942090-03-2, EUR 34,90
-November 2009 : Friedrich Helms : Tagebuch. Wilhelmshorst 1945. Mit einem Vorwort von Walter Kempowski. Herausgegeben von Tobias Wimbauer. Hagen-Berchum 2009: Eisenhut Verlag, 204 Seiten, Broschur, € 21,90 ISBN: 978-3-942090-00-1
- Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers. Freiburg 1999: Rombach (Reihe Wissenschaften litterae Band 66. Hrsg. von Günter Schnitzler und Gerhard Neumann), 296 Seiten ISBN 3-7930-9210-0 vergriffen
Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers.Überarbeitete, ergänzte und erweiterte Neuausgabe. Schnellroda: Editon Antaios, März 2003, 323 Seiten. (= Das Luminar. Schriften zu Ernst und Friedrich Georg Jünger. Band 1). ISBN 3-935063-51-2 vergriffen
Lagebericht und andere Erzählungen. Schwielowsee 2008: Telesma-Verlag Dr. Müller & Wascher, 140 Seiten, kartoniert. ISBN 978-3-9810057-8-3, EUR 18,90
"Ein Stück Gegenwartsliteratur im besten Sinne des Wortes (...) Das abwechslungsreiche Debüt eines undogmatisch zu Werke gehenden Autors" (weltexpress.de März 2009)
meine beiden letzten Artikel in der FAZ:
Nr. 6 vom 08. Januar 2005, Feuilleton (Aufmacher), Seite 33: In Dankbarkeit und Verehrung. Hilfe kommt aus Wilflingen: Ein Brief von Paul Celan an Ernst Jünger wurde im Marbacher Literaturarchiv entdeckt
- Nr. 40 vom 16. Februar 2008, S. Z4 (Bilder und Zeiten): Das Buch, das es zweimal gab. Um die Zensurstelle der Nationalsozialisten zu täuschen, ließ Ernst Jünger Anfang 1942 zwei Varianten seines heiklen Tagebuchs "Gärten und Straßen" anfertigen: Eine Stichprobe.Meta
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